Fischereiverein Nürnberg e.V.

Informationen zur aktuellen Situation und Entwicklung der Forellenbestände in der Rednitz

Liebe Vereinsmitglieder,

vielen Dank für eure zahlreichen Nachrichten und die wertvollen Rückmeldungen zu den rückläufigen Forellen-Fangquoten in der Rednitz. Euer aufmerksames Feedback ist für unsere Hegearbeit unverzichtbar, und wir nehmen eure Beobachtungen sehr ernst.

Vorab die wichtigste Information zur Beruhigung, am Fischbesatz liegt es nicht – dieser wird von uns weiterhin im gewohnten und vollen Umfang durchgeführt. Dass die Forellenbestände dennoch rückläufig sind, basiert auf einem vielschichtigen ökologischen Problemkomplex. Wir überwachen diese Entwicklung intensiv und leiten bereits erste Gegenmaßnahmen ein.

Zusammenfassend lässt sich sagen, während der wachsende Wallerbestand als Prädator einen spürbaren Jagddruck ausübt, operiert die Rednitz bei sommerlichen Wassertemperaturen von 17 bis 19 °C für Salmoniden bereits in einem kritischen physiologischen Grenzbereich.

Die primären physikalischen, biologischen und strukturellen Faktoren haben wir nachfolgend fachlich für euch aufbereitet:

1. Geringer Wasserstand und Temperaturentwicklung

Aufgrund anhaltender Niederschlagsarmut und einer langanhaltenden Hitzewelle verzeichnen die Gewässerpegel weitläufig einen besorgniserregenden Niedrigstand. Dies hat in vielen Gewässern zu einem drastischen Anstieg der Wassertemperaturen geführt. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurde die Rednitz in den vergangenen Wochen verstärkt mit Tiefenwasser aus dem Rothsee gespeist. Die gesteigerte Wasserabgabe spiegelt sich deutlich im extrem niedrigen Wasserstand der Hauptsperre wieder. Der Rothsee bildet das funktionale Herzstück der Donau-Main-Überleitung. Das System speichert Wasser, welches bei ausreichenden Pegeln aus Altmühl und Donau über den Main-Donau-Kanal nach Norden gepumpt wird. Bei Bedarf wird dieses kältere Wasser über Zuflüsse wie die Kleine Roth in die Rednitz abgegeben, die sich in Fürth mit der Pegnitz zur Regnitz vereint.

Diese kontinuierliche Kaltwasserzuführung stabilisiert das Ökosystem der Rednitz maßgeblich. Ohne diese Stützungsmaßnahme wäre der Fischbestand akut gefährdet, was analog zu anderen Fischereivereinen zu einem drastischen Fischsterben geführt hätte. Dennoch sind die Temperaturen deutlich erhöht.

Ab 18 °C Stressphase

Der Sauerstoffgehalt im Wasser sinkt, während der Stoffwechsel der Fische steigt. Bei einem Sauerstoffgehalt von 6 bis 7 mg/l geraten Forellen unter Stress und stellen die Nahrungsaufnahme ein und zeigen Wachstumsstörungen – es beginnt der kritische Phase. Um Nahrung überhaupt verstoffwechseln zu können, verbrauchen Forellen enorme Mengen Sauerstoff. Eine Faustregel in der Fischzucht besagt, dass die Fische pro 1 kg gefüttertem Futter etwa 0,3 bis 0,5 kg reinen Sauerstoff für die Verdauung benötigen. Durch das Einstellen der Nahrungsaufnahme schützen sich die Fische vor dem Erstickungstod.

Ab 20 °C Kritische Phase

Ernsthafte gesundheitliche Probleme und eine stark erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten oder Parasiten setzen ein. Höhere Temperaturen begünstigen Krankheitserreger wie den Parasiten Tetracapsuloides bryosalmonae, den Erreger der PKD (Proliferative Nierenkrankheit), die bei Wassertemperaturen über 15 °C für Forellen oft tödlich verläuft.

2. Biologische Faktoren und Nahrungskonkurrenz

Der Klimawandel

Dass Waller überhaupt vermehrt in klassischen Forellengewässern (wie größeren Flüssen der Äschen- und Barbenregion oder tiefen Seen) vordringen und sich dort explosionsartig vermehren, liegt an den steigenden Wassertemperaturen. In kühleren, schnell fließenden Gebirgsbächen (Oberlauf) hat der Waller meist keine Chance. In tieferen, langsamer fließenden oder gestauten Abschnitten hingegen verschieben sich die Bedingungen massiv zugunsten des Wallers. 

Gewinner des Klimawandels

Während die Forelle leidet, profitieren eurytherme (wärmetolerante) Arten. Neben dem Waller breiten sich auch andere Cypriniden (Karpfenartige) aus und konkurrieren mit jungen Forellen um die Nahrung (v.a. Bachflohkrebse und Insektenlarven).

Prädatoren

Neben dem Wels nutzen auch Kormorane und Gänsesäger die durch den Hitzestress geschwächten Forellen in den flachen, ungeschützten Abschnitten der Rednitz als leichte Beute.

Als opportunistischer Jäger sind Welse extrem anpassungsfähig und fressen, was in rauen Mengen verfügbar und leicht zu erbeuten ist. In Gewässern, in denen Forellen (z. B. durch regelmäßigen Besatz) die dominante oder leicht zugängliche Fischart darstellen, passen Waller ihre Ernährung an und jagen diese gezielt.

Waller jagen bevorzugt in der Dämmerung und nachts. Da Forellen Sichträuber sind und sich nachts oft am Gewässergrund oder in Ufernähe ausruhen, sind sie für den Waller eine leichte Beute. Große Waller (ab ca. 1,20 bis 1,50 Metern) können problemlos selbst kapitale Forellen im Ganzen verschlingen. Der Wels besetzt Unterstände, Gumpen und tiefe Kehren. Forellen werden aus ihren bevorzugten Einständen vertrieben, was zu Dauerstress, geringerem Wachstum und einer höheren Anfälligkeit für Krankheiten führt.

Kleinere und mittlere Waller ernähren sich intensiv von Flusskrebsen, Insektenlarven und kleineren Fischen. Dies sind exakt die Hauptnahrungsquellen von unseren Bachforellen, was zu einer extremen Nahrungskonkurrenz führt.

3. Strukturelle Probleme und Verbauung

Mangel an Schatten und Deckung

Der Rednitz fehlen in vielen Abschnitten (nicht unser Gewässerabschnitt) dichte, schattenspendende Ufergehölze, die das Gewässer kühlen könnten. Ohne Totholz und Unterstände fehlen Forellen die Rückzugsorte vor Hitze und Prädatoren.

Unterbrechung der Wanderwege

Forellen müssen im Sommer kühlere Nebengewässer oder tiefere, grundwassergespeiste Gumpen aufsuchen können. Querbauwerke und Wehre ohne funktionierende Fischtreppen blockieren diese überlebenswichtigen Wanderungen sowie den Zug zu den Laichplätzen im Herbst.

4. Fehlende Laichhabitate

Durch Starkregenereignisse und landwirtschaftliche Einträge kommt es zu einem vermehrten Eintrag von Schlamm und Feinsedimenten in die Rednitz. Diese feinen Ablagerungen verstopfen die für Salmoniden essenziellen Kiesbetten und zerstören somit die natürlichen Laichplätze. Abgelegte Forelleneier werden dadurch von Sedimentschichten überlagert und ersticken aufgrund mangelnder Sauerstoffzufuhr. Infolgedessen ist eine natürliche Reproduktion der Bestände im Gewässer nahezu unmöglich.

Gemeinsam für die Zukunft unserer Rednitz

Wir hoffen, dass wir euch mit diesen Einblicken einen verständlichen Überblick über die aktuellen Herausforderungen an unserem Gewässer geben konnten. Auch wenn die Natur uns derzeit einiges abverlangt, dass Wohl unserer Rednitz und ihrer Fischbestände liegt uns allen am Herzen. Als Fischergemeinschaft sind wir diesen Entwicklungen nicht machtlos ausgeliefert. Die Natur besitzt enorme Regenerationskräfte. Das funktionierende Stützsystem des Rothsees zeigt zudem, dass wir über wichtige Hebel zum Schutz unseres Gewässers verfügen.

Wir lassen uns die Freude am Wasser nicht nehmen und wünschen euch für die kommenden Stunden am Gewässer von ganzem Herzen eine entspannte Zeit, tolle Naturerlebnisse und natürlich trotz allem ein kräftiges Petri Heil!

Eure Verwaltung