Der goldene Herbst
Es ist ein kühler Oktobermorgen. Ein leichter Nebel liegt über dem Gewässer, während die ersten Sonnenstrahlen die bunten Blätter der Bäume am Ufer zum Leuchten bringen. Für die meisten Menschen ist das die Zeit, sich mit einer warmen Decke auf das Sofa zurückzuziehen. Doch für uns Raubfischangler gibt es jetzt kein Halten mehr. Die Luft riecht nach Aufbruch, und das Wasser birgt ein Geheimnis, das jeden Moment für einen Adrenalinkick sorgen kann. Der Herbst ist da – und mit ihm die absolut beste Zeit des Jahres, um kapitale Hechte, Zander und dicke Barsche zu überlisten.
Unter der Wasseroberfläche hat sich die Welt in den letzten Wochen komplett verändert. Mit den sinkenden Temperaturen spüren die Fische instinktiv den nahenden Winter. Es gibt kein langes Zögern mehr, eine dicke Fettschicht muss her. Dieser unbändige Hunger macht die Räuber aggressiv und unvorsichtig. Gleichzeitig lichten sich die vertrauten Reviere. Die grünen Krautbetten im Flachwasser sterben langsam ab und bieten keinen Schutz mehr. Die Schwärme der kleinen Weißfische ziehen sich deshalb in die tieferen Gewässerzonen zurück. Und genau dorthin folgen ihnen die hungrigen Jäger auf Schritt und Tritt, lauernd an tiefen Kanten und Unterständen.
Wer jetzt erfolgreich sein will, muss umdenken. Vergiss die kleinen, unauffälligen Snacks des Sommers. Im Herbst gilt ein ungeschriebenes Gesetz: Big Bait is Big Fish!
Die Räuber wollen mit so wenig Aufwand wie möglich so viel Energie wie möglich aufnehmen. Ein einziger großer Happen ist für sie jetzt viel attraktiver als mühsam viele kleine Fische zu jagen.
Wenn du es auf die großen Hechte abgesehen hast, montierst du am besten stattliche Gummifische von 18 bis 25 Zentimetern Länge oder schwere Spinnerbaits. Führe sie langsam und beharrlich im Mittelwasser oder direkt an den abfallenden Krautkanten entlang.
Suchst du stattdessen die stacheligen Zander, lohnt sich ein Versuch in den magischen Stunden der Dämmerung. Mit schlanken Gummifischen am Jigkopf oder flach laufenden Wobblern ziehst du deine Bahnen. Lass den Köder beim sogenannten „Faulenzen“ oder klassischen Jiggen immer wieder verführerisch über den Grund hüpfen. Und die Barsche? Die stehen im Herbst auf Action! Mit aggressiv geführten Creature Baits, vibrierenden Chatterbaits oder tief laufenden Crankbaits, die du rasant durchs Freiwasser kurbelst, weckst du ihren Jagdinstinkt.
Damit dein herbstlicher Ausflug zum vollen Erfolg wird, nimmst du am besten drei goldene Regeln mit ans Wasser.
Erstens: Finde die Futterfische. Wo dir deine Augen dichte Kleinfischschwärme verraten, sind die großen Räuber garantiert nicht weit.
Zweitens: Nutze die Mittagszeit. Du musst dich im Herbst nicht mehr um vier Uhr morgens aus dem Bett quälen. Oft erwacht das Leben unter Wasser erst dann richtig, wenn die Mittagssonne das Wasser auch nur um ein halbes Grad erwärmt hat. Und drittens:
Ausdauer zahlt sich aus. Wenn der Wind auffrischt, der Regen peitscht und die Wellen ans Ufer schlagen fallen Hecht und Zander oft in einen regelrechten Fressrausch.
Pack also deine warme Thermokleidung aus, trotze dem Wetter und genieße die raue Schönheit der Natur. Die Belohnung wartet tief im Wasser – mit einem spektakulären Biss, der die Rute biegt und dein Anglerherz zum Rasen bringt.
Petri Heil für deinen nächsten herbstlichen Trip!
Markus
